Sehr geehrter Herr Schnieder,
das bayerische Oberland wartet seit über 100 Jahren auf die Elektrifizierung der Schienen. Die bayerische Staatsregierung versprach der Bevölkerung schon bei der Planung des Walchenseekraftwerks eine elektrische Eisenbahn. Sie sollte Ausgleich für die durch das Wasserkraftwerk wegfallende Flößerei auf der Isar sein. Die erste mir bekannte Beschwerde über Verzögerungen bei dem Projekt ist eine Resolution im Stadtrat von Bad Tölz aus dem Jahr 1925.
Die Züge fahren immer noch mit fossiler Energie. Erst vor wenigen Jahren kam Bewegung in die Sache. Zwei aufeinanderfolgende Bundesregierungen erhöhten ab 2020 die Mittel für den Schienenverkehr über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und die bayerische Landesregierung stellte 2023 Mittel für die Planung zur Verfügung. Die Bahn plant nun konkret die Elektrifizierung der Strecken von Holzkirchen nach Lenggries und Bayrischzell.
Doch die Planung und Genehmigung dauert. Momentan müssen wir davon ausgehen, dass frühestens 2033 mit dem Bau begonnen werden kann. Das dauert mir zu lange.
Die Vorgängerregierung wollte unter anderem die Elektrifizierung von Bahnstrecken deutlich beschleunigen und die Genehmigungsverfahren verschlanken. Leider konnte das nicht mehr umgesetzt werden, weil der kleinste Koalitionspartner unbedingt in die außerparlamentarische Opposition wollte. Doch in einer Schublade in Ihrem Ministerium liegt noch ein fertiger Gesetzentwurf für das sogenannte Moderne-Schiene-Gesetz.
Bitte suchen Sie diesen Gesetzentwurf! Sie sollten dafür ohne Probleme eine Mehrheit im Kabinett und im Bundestag finden, denn auch der Koalitionsvertrag der neuen Regierung spricht von einer Beschleunigung der Elektrifizierung. In den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz – Wolfratshausen würden wir uns über jedes Jahr freuen, daswir früher eine zuverlässigere, leisere, umweltfreundlichere und sauberere Bahn bekommen. Es macht einen Unterschied, ob die Beschleunigung der Elektrifizierung bald kommt oder erst kurz vor der nächsten Bundestagswahl.
Mit freundlichen Grüßen
Karl Bär